Die fünf Bewegungen des LernDialogs
Der LernDialog beginnt bei einer konkreten Unterrichtssituation. Gemeinsam betrachten wir, was wahrgenommen wurde, welche unterschiedlichen Deutungen möglich sind und was professionelles Wissen zum Verstehen beitragen kann.
Fünf Bewegungen geben dabei Orientierung. Sie bilden keinen starren Ablauf: Im Gespräch können wir zurückgehen, eine Beobachtung genauer beschreiben oder eine bisherige Deutung erneut prüfen. Im Mittelpunkt bleibt die Frage: Was können wir hier über Lernen erkennen?

Szene
Eine konkrete Unterrichtssituation weckt unsere Aufmerksamkeit: Etwas irritiert, überrascht oder lässt uns nicht los. Diese Szene wird zum gemeinsamen Bezugspunkt.
Was ist uns aufgefallen – und warum gerade das?
Beschreiben
Wir beschreiben möglichst genau, was geschehen ist. Dabei machen wir kenntlich, was wir beobachtet haben und wo bereits eine Deutung einfließt. So bleibt Raum für unterschiedliche Erklärungen.
Was haben wir wahrgenommen – und was vermuten wir?
Dialogisieren
Wir bringen unterschiedliche Wahrnehmungen miteinander ins Gespräch und setzen sie zueinander in Beziehung. Andere Perspektiven können den eigenen Blick ergänzen, irritieren und erweitern. Dabei muss keine einheitliche Deutung entstehen.
Was sehen andere, das meinem Blick bisher entgangen ist?
Verstehen
Wir ziehen professionelles Wissen hinzu, um die Beobachtungen im Hinblick auf Lernen genauer zu verstehen. Wissen über Unterrichtsqualität sowie fachliche und fachdidaktische Erkenntnisse helfen, Zusammenhänge zu untersuchen. So entstehen begründete Deutungen, die prüfbar und veränderbar bleiben.
Welches Wissen hilft uns, diese Situation besser zu verstehen?
Öffnen
Wir fragen, was aus unserem bisherigen Verständnis entstehen kann: eine weitere Beobachtung, eine neue Frage, ein Gespräch mit einem Kind oder das Hinzuziehen zusätzlichen Wissens. Auch eine kleine Erprobung im Unterricht kann sinnvoll sein. Manchmal verändert sich zunächst unser Blick.
Was wird aus unserem jetzigen Verständnis heraus möglich?
Noch einmal hinsehen
Die fünf Bewegungen können immer wieder aufeinander zurückführen. Eine andere Perspektive lässt uns genauer beschreiben; neues Wissen kann eine bisherige Deutung verändern.
Der LernDialog muss deshalb nicht mit einer Antwort enden. Er kann mit einer präziseren Frage enden.